Buchhinweis im
April
2012
Ein Königshaus aus der Schweiz
Bruno Meier Verlag Hier und Jetzt
Ich habe dieses Buch wie einen spannenden Roman gelesen. Zwar entsinne ich mich keineswegs mehr an alle Heiraten, Erbschaften, Kriege, Intrigen, an all das Wer – Wann – Wo- Wie und mit Wem; spielt aber auch keine Rolle. Will ich Genaues wieder wissen, dann kann ich nachschlagen. Ein ausführliches Inhaltsverzeichnis und ein Glossar (Erklärung wissenschaftlicher oder fachspezifischer Begriffe), das Quellen- und Literaturverzeichnis, Ortsregister und Personenregister sind äusserst hilfreich.
Ich habe vorerst einmal viel Neues aus der Geschichte des Aargaus kennen gelernt. Die Geschichte der Habsburger vom 12. bis zum 15. Jahrhundert ist zum Teil eine Geschichte des Aargaus. Sie ist ein lebendiges Bild der Eidgenossenschaft, fernab von jenem langweiligen Schul-Geschichtsunterricht, den wir mit der schönen Aufzählung über das Werden unserer Schweiz, angefangen bei den 3 Urkantonen über die achtörtige bis zur dreizehnörtigen Eidgenossenschaft verpasst bekommen haben. Dann waren da noch die Untertanengebiete – dazu gehörte der Aargau – und fertig war’s mit Schweizergeschichte. Aber alles liess sich doch so schön an Wandtafel und Projektikonswänden darstellen, inklusive Wäppchen der einzelnen Kantone.
Das Buch von Bruno Meier räumt auf mit all den vermeintlich naturgegebenen Feindseligkeit zwischen Eidgenossen und Habsburgern. Das war die Folge von der Zuschüttung geschichtlicher Fakten durch Aegidius Tschudy, der als erster Verfasser einer Schweizer Geschichte die Eidgenossen als quasi ewige Gewinner, die Habsburger aber als Verlierer beschrieben hat. Die Geschichte des Hauses Habsburg ist Teil des Werdens der heutigen Schweiz. Diese Einsicht beginnt sich leider spät, erst heute, durchzusetzen. Die Erforschung des Habsburger Erbes an den Universitäten unseres Landes hat bis vor kurzer Zeit nicht stattgefunden.
Es muss ja wirklich nicht alles so einfach gewesen sein, damals. Da waren doch auch in den Untertanengebieten im Aargau die Geschlechter derer von Hallwyl und Wildegg, und das Stammkloster der Habsburger (es ist es bis heute!), das Kloster Muri. Die Habsburger, mit den Genieten an der Aare und an der Thur hätten schon im 14. Jahrhundert Bundesgenossen der Eidgenossen sein können. Ein Aspekt unter Hunderten, welche die Lektüre dieses Buches so unglaublich spannend machen.
Als Aargauer ist man noch heute entweder ein wenig Freiämter, Fricktaler, Badenbieter oder einer aus dem Berner Aargau; hinzu kommt meist noch eine starke lokale Bindung. So trifft man im Buch immer wieder auf Personen, Familien, Sippen und Geschlechter, die im damaligen Aargau und in der heutigen Schweiz eine wichtige Rolle gespielt haben. Als Kontrast zeigt der Verfasser aber immer auch die wesentlichen europapolitischen Zusammenhänge auf. Wer weiss denn noch, dass am Konzil von Konstanz ihrer drei Päpste um die Leitungsmacht in der Kirche kämpften? Und überhaupt: kirchliche Würdenträger, wie die Bischöfe von Basel zum Beispiel, waren auch vielfach weltliche Herrscher, fernab von Kirchenfrömmigkeit. Felix Gmür, der neue Bischof von Basel, darf sich beim Studium der Geschichte seiner Vorfahren auf eine amüsante Lektüre freuen.
Einmal mehr spreche ich hier von einem Buch, das man eigentlich nicht beschreiben kann. Man muss es gelesen haben. Den Leserinnen und Leser erwartet ein ganz grosses Aha-Erlebnis. Garantiert sicher!