Buchhinweis im 
September
 
2015
 

Idylle vom Bodensee

Eduard Mörike
Insel tb 3098

Eduard Mörike ist den meisten Leuten noch in Erinnerung – wenn überhaupt – durch Gedichte aus der Schulzeit, wo manch einem Menschen die Freude an Dichtung, Lyrik und Balladen gründlich verdorben worden ist. Man wollte Gedichte durch Auswendiglernen jungen Köpfen eintrichtern, die dafür noch nicht aufnahmefähig waren.

Die Idylle vom Bodensee ist ein langes Gedicht, nicht über den See selber. Es handelt von zwei Liebenden und allem Drumherum. Mörike schuf eine Idylle voller Aufmerksamkeit für alles, was schön und unvergänglich ist. Den Humus bildet die Landschaft um den Bodensee mit Dörfern, Kloster, Kirchtürmen. Es ist ein Lob auf die Landschaft und das ländliche Leben am See. Aber auch diese Idylle hat ihre Schwachstellen, zum Beispiel ist es die Gier nach Reichtum und Besitz; und es werden Liebesbande zu sprengen versucht. Eine junge Frau gibt ihrem Freund um einer reichen Partie willen den Laufpass. In einer nicht mehr benutzten Kapelle hänge noch eine Glocke, berichtet der Fischer Martin. Der Schneider beschliesst, die Glocke mit Hilfe von Verwandten vom Turm zu holen. Er wird aber heimlich vom Fischer beobachtet. Ein Schwank; Mörike macht daraus Dichtung in Versform.

Ein über lange Zeit unbekannt gebliebener Zeichner namens Max Arlt hat einzelne Begebenheiten in einem Poesiealbum mit hinterhältigem Humor humorvoll naturalistisch illustriert.

Mörike hatte den Bodensee mehrmals besucht.

Aber es war damals nicht der See, wie wir ihn heute kennen mit Yachthäfen und Golfplätzen, Prunkhäusern mit Schwimmbad und Seeanstoss, mit gleissenden Leuchtreklamen und so weiter. Mörike würde wohl heute keine Idylle vom Bodensee mehr schreiben.

Nebst der Lektüre der Idylle vom Bodensee sollte man sich unbedingt auch noch die Geschichte vom „alten Turmhahn zu Cleversulzbach“ wieder mal vornehmen. Ebenfalls eine Idylle vom Hahn, der bei einem Unwetter vom Kirchturm heruntergefallen war, vor einer Schmiede liegen blieb und einem neuen Hahn Platz machen musste. Der Pfarrer nimmt den alten Hahn zu sich nach Hause und gibt ihm in seiner Stube auf dem Ofen ein neues Plätzchen. An langen Winterabenden erzählt der alte Turmhahn auf dem warmen Ofen seine langen und spannenden Geschichten von der Zeit hoch auf der Spitze des Kirchturmes.

Geschichten in Form von Bildchen, eben: Idyllen. Wundersam stille, vergnügliche Lektüren.