Buchhinweis im 
Mai
 
2012
 

Zahl, Zeit, Zufall? Alles eine Erfindung

Taschner Rudolf
ecowin-Verlag

Auf ein Besprechung in der NZZ kaufte ich mir das Buch aus Neugierde. Um Mathematik soll es gehen, leichtverständlich geschrieben von einem Professor, der es versteht, Leute für Mathematik zu begeistern.

Nicht mit Formeln arbeitet Taschner, sondern mit Erzählungen, fesselnd beschriebenen Begebenheiten. Ich bin bei der Lektüre tatsächlich zu einem Bewunderer aller mathematischen Dinge geworden.

In einem ersten Teil erzählt Taschner von Dingen des Universums, von Berechnungen aller Art, wie sie schon vor mehreren tausend Jahren gemacht worden sind, und mit welch einfachen Hilfsmitteln man genaue Beobachtungen anstellte und sie verarbeitete. Hochinteressant, lehrreich, immer so, dass ich als Leser nicht überfordert werde. Taschner versteht es, grosse Zusammenhänge aufzuzeigen, er verlangt vom Leser aber nicht ein Studium einzelner komplizierter Formeln. Er zeigt einfach auf eine Welt, die interessanter nicht sein könnte

Das Kapitel über die Zahlen und den Zufall in der Mathematik will ich mir nochmals vornehmen. In aller Ruhe. Ich weiss, dass ich alles begreifen werde, wenn ich mir nur die nötige Zeit dazu nehme.

Ganz gross ist das Kapitel über die Erfindung der Zeit. Ein Kapitel voller Poesie, Philosophie, auch mit theologischen Hintergründen.  Was ist Zeit, was ist Dauer. Gibt es eine Zeit, die vorübergeht?

Sind nicht wir es, welche die Zeit durchschreiten. Gibt es ein Jetzt, den Augenblick? Am Schluss des Buches zitiert Taschner den holländischen Mathematiker Luitzen Egbertus Jan Brouwer, der die Frage stellte: „Was ist die Welt?“ Welt ist die ständige, stets wechselnde Wahrnehmung jedes Einzelnen. Ein Kommen und Gehen von Wahrnehmungen, die einander ablösen. Dass Wahrnehmung stattfinden kann, braucht es die Zahlen, die unterscheiden in vorher und nachher; die eigentlich einzig wichtigen Zahlen 1 und 2. Wenn 1 und 2 erfunden ist, wird die Folge die Erfindung aller weiteren Zahlen sein.

Ein Buch, das ich jedem neugierigen Menschen sehr empfehlen kann.
Es ist im ecowin-Verlag in Salzburg erschienen, in einer Reihe weiterer spannender Bücher. Die Verlagsauswahl am Schluss des Buches lädt zu weiteren Leseabenteuern ein.

Ich bin überzeugt, dass die eigentlich spannenden Bücher nicht die Bestsellerlisten anführen. In meinem Kiosk, wo ich dann und wann in einer Ecke auch einen Espresso trinke, schaue ich mir die monatlichen Bestsellerlisten an. Und bin selten begeistert. Bücher wie das oben besprochene sind nie darauf gelandet, haben aber noch immer die Faszination des immer wieder Neuen, worauf ich als Leser gierig bin. Eben, neu-gierig.