Gedicht des Monats im im
Oktober
2010
Allerseelen
Tot ist, wer vom Tod gefangen,
wer an eitlem Tand gehangen
und darüber hat vergessen,
wer einst wird das Leben messen.
Tot ist, wer in seinem Leben
nichts von sich hat preisgegeben,
weder Freud noch Leid geteilt,
immer nur bei sich geweilt.
Nein, nicht tot, der Welt gestorben,
ist, wer Freundschaft sich erworben,
nicht durch Geld und Machtgehabe
liebend durch die Selbsthingabe.
Nur gestorben, hin zum Leben,
das am Kreuz uns einst gegeben,
sind die Lieben, die wir missen,
doch in Gott geborgen wissen.
Selbst wie tot am Grab stehen
Alle, die nicht können sehen,
dass wir sind bestimmt zum Leben,
das nur Gott allein kann geben.
Lebend steht am Grab der Seinen,
wer kann lachen, wer kann weinen
und den Weg will weitergehen
im Glauben an ein Wiedersehen.
So hat alles seine Zeit:
Tröstlich nahe, schmerzlich weit,
fühlt man den, um den man weit,
bis uns Gott in sich vereint.
Bernhard Stephan Schneider
Der Verfasser des Gedichts ist der kath. Villmerger Pfarrer Bernhard Schneider. Bei gewissen Gelegenheiten schmiedet er seine Gedanken in Verse. So auch seine diesjährigen Gedanken zu Allerseelen. Bekannt sind auch Pfarrer Schneiders Büttenpredigten am Fasnachtssonntag. Dann hält er seine Predigt wie eine Schnitzelbank in Versen.