Lesen ist für mich schon vom Wichtigsten. Ohne Bücher könnte ich nicht sein. Literatur kann wie Philosophie, Wissenschaft oder Religion die Welt erklären. Literatur ist ein immerwährendes Entfalten von Einsichten.
Gedanken zur Zeit im
Juni
2016
Selbstinszenierungen gewisser berühmter Senioren
Gedanken zur Zeit im Juni 2016
Da hat sich die Arbeitsgemeinschaft christlicher Kirchen aber arg blamiert. Die Rede ist von der Einweihung des Gotthard-Basistunnels am 1. Juni 2016. Die Arbeitsgemeinschaft hatte sich darauf geeinigt, dass einer im Namen aller Christen der Schweiz den Tunnel einweihen oder einsegnen dürfe. Dazu ausersehen war der ehemalige Abt Werlen von Einsiedeln. Warum der, entzieht sich meiner Kenntnis. Der sollte doch wieder sein Leben als Mönch nach der Regel des heiligen Benedikt in seinem Kloster führen und sich nicht aus jedem Fenster hinauslehnen, das gerade offensteht. Das nur meine persönliche Meinung.
Nun aber: Einigen reformierten Fundamentalisten stiess die Lösung, auf die man sich in einer interkonfessionellen Arbeitsgruppegeeinigt hatte, sauer auf; sie verlangten, angeführt von alt Bundesrat Ogi, dass doch bitte auch die zwei anderen Landeskirchen bei dieser Zeremonie mittun dürften. „Also, der religiöse Landesfriede soll nicht aufs Spiel gesetzt werden, machen wir es doch so, dass nach allen Seiten Genüge getan ist“, so Ogi.
Es standen am Schluss zur Einweihung mitten im Tunnel die folgenden Grössen:
- ein katholischer Alt-Abt mit Weihwasserwedel
- ein reformierter Pastor
- ein christkatholischer Pfarrer
- ein jüdischer Rabbi
- ein muslimischer Imam und
- ein Atheist.
Die letzteren zwei hätte man - wieder nur meine persönliche Meinung - ruhig vor dem Tunnelportal lassen können.
Überhaupt: War dieses Theater nötig? Ich hätte eine bessere Idee gehabt, mit der christlichen Bundesrätin Doris Leuthard. Sie wäre absolut in der Lage gewesen, in ihrer Ansprache in einem einzigen Satz zum Beispiel Gott zu danken für das Gelingen und den Segen für alles, was kommt, zu erbitten. Ich bin überzeugt, sie hätte das in ihrem weissen Loch-Kleid, das sie zur Feier des Anlasse trug, bestens gemacht. Aber diese bundesratsfrauliche Variante ist niemandem in den Sinn gekommen, nicht einmal dem Alt-Abt von Einsiedeln, der doch nie müde wird, in der Kirche die Rechte der Frauen einzufordern.
Die Ex-Bundesräte Ogi und Leuenberger feierten sich selber wieder einmal, um sich in die Geschichtsbücher Helvetiens einzutragen. Das, was sie geleistet haben, ist ja dankenswert; aber damit hat es sich, oder nicht? Immer diese Reprisen mit den Alten. Wiederum nur meine persönliche Meinung.
Mit den Alten habe ich so meine Mühe, ich weiss nicht warum. Vielleicht, weil ich selber zu ihnen gehöre? Nein, ich mag die Selbstinszenierungen gewisser berühmter Senioren und Seniorinnen überhaupt nicht. Basta cosi!