Gedanken zur Zeit im 
Dezember
 
2009
 

Trauerarbeit im Weihnachtsrummel

Den Weihnachtsrummel habe ich andern überlassen. Dieses Jahr ist es mir so richtig gut gelungen, mich aus allem heraus zu halten. Es hat wohl auch damit zu tun, dass ich im verflossenen Jahr meine liebe Annette habe hergeben müssen.

Auf einmal sind gewisse Sachen nicht mehr wichtig.
Viele Leute haben mit mir gesprochen, und das hat mir gut getan.
Gute Gespräche waren meine Weihnachtsgeschenke.

Bei der Verarbeitung der Trauer hat mir die Foto-Ausstellung, die ich mit Bildern meiner verstorbenen Frau gemacht habe, viel geholfen. Schöne Erinnerungen beeinflussen die Psyche positiv. Und es wird einem bewusst, wie viel Schönes man miteinander hat erleben dürfen. Es wird klar, dass das alles Geschenk war. Dankbarkeit an das Leben kann jederzeit noch nachgeholt werden.

Ich zitiere Dietrich Bonnhoeffer:

„Je schöner und voller die Erinnerungen,
desto schwerer die Trennung.
Aber die Dankbarkeit verwandelt
die Qual der Erinnerung
in eine stille Freude.
Man trägt das vergangene Schöne
nicht mehr wie einen Stachel,
sondern wie ein kostbares Geschenk
in sich.“

Jetzt ist bei mir alles so, wie es ist. Es gibt Leute, die hoffen, ich würde wieder funktionieren wie vorher. Aber das kann es nicht, weil ein Teil von mir fehlt. Dass das so ist, muss ich jeden Tag neu lernen. Mein Lernen wird nie aufhören.

Die erwähnte Fotoausstellung mit 50 Bildern kann übrigens in meiner Wohnung besichtigt werden. Bis Mitte Januar jeden Nachmittag ab 14 Uhr bis spät abends, und nachher nach telefonischer Abmachung.

Bei der Arbeit mit den Fotos habe ich mir eines vorgenommen:
In Zukunft will ich wieder Bilder, die ich anfassen kann. Hunderte oder Tausende von digitalen Bildern im Compi sind nicht das Gelbe vom Ei. Ich will künftig nur gute Bilder aufbehalten. Alles andere werde ich erbarmungslos löschen. Die guten Bilder will ich wieder auf Papier vom Fotofachmann vergrössert haben. Basta. Vielleicht ein Fotobuch, das geht auch.

Fazit: gute, schöne Fotos, vor allem wenn es Bilder von einem lieben Menschen sind, gehören in einen Rahmen, gehören ausgestellt, angeschaut. Damit Bilder sprechen können!

Heute habe ich von einem Freund einen Jahreskalender mit Federzeichnungen erhalten. Aus das etwas Wunderbares. Es gibt sie noch, die Bildsprache.

Sie müsste wieder gepflegt werden. Dann käme Weihnachten wieder weniger dümmlich und in kitschigen Bildern daher. Wie schön das wäre!

Wie Weihnachten!