Lesen ist für mich schon vom Wichtigsten. Ohne Bücher könnte ich nicht sein. Literatur kann wie Philosophie, Wissenschaft oder Religion die Welt erklären. Literatur ist ein immerwährendes Entfalten von Einsichten.
Gedanken zur Zeit im
Februar
2009
Unsterbliche Gedichte und Festzeiten
Aus meiner Kindheit erinnere ich mich noch des Gedichtanfangs, den unser Vater jeweils aufzusagen pflegte, wenn es draussen stürmte und schneite:
Und dräut der Winter noch so sehr
mit trotzigen Gebärden,
und streut er Eis und Schnee umher,
es muss doch Frühling werden.
Dass er das lange Gedicht von Emanuel Geibel, es hat sieben Strophen, einmal auswendig hatte lernen müssen, ist anzunehmen. Denn früher meinte man ja, Gedichte seien zum Auswendiglernen gemacht. Er wird auf seinem langen Schulweg von Dürrenäsch in die Bezirksschule von Seengen, den er zu Fluss zurücklegen musste, wohl genug Zeit gehabt haben, an den „mündlichen Aufgaben“ herum zu studieren. Und die strengen Winter hat er noch im Alter in Erinnerung gehabt. Das Mittagessen erhielt er bei seiner Tante im Restaurant Holliger Sämi. Die Frau des Tierarztes Samuel Holliger war eine Schwester seiner Mutter.
Gegenwärtig erleben wir einen einigermassen strengen Winter. Der Januar war der kälteste seit 1987. Und Schnee hat auch ordentlich lange gelegen. Die Pfade im Villmerger Wald boten sich zum Schlitteln an; aber weder Eltern noch Kinder schienen Lust auf eine Schlittenfahrt zu haben.
Spaziergängen in Feld und Wald erinnerten mich an Winter-Gedichte. Eines der schönsten ist wohl das von Ludwig Uhland, vom Baum im Feld:
Er träumt von künftger Frühlingszeit,
von Grün und Quellenrauschen,
wo er im neuen Blütenkleid
zu Gottes Lob wird rauschen.
Dann ist doch noch das Lied von Mathias Claudius vom Winter, der „am Nordpol an dem Strande“ zu Hause ist:
Sein Schloss von Eis liegt ganz hinaus
Beim Nordpol an dem Strande,
doch hat er auch ein Sommerhaus
im lieben Schweizer Lande.
Lieder und Gedichte, denen man wieder einmal nachgehen sollte; wer keine Gedichtbücher hat, kann fast alles im Internet finden. Aus Gedichte gibt’s dort.
Dann passen in die strenge Winterzeit auch die fast vergessenen Kirchenfeste wie Fabian und Sebastian (lassen den Saft in die Bäume gahn!, 20. Januar) Pauli Bekehrung (25. Januar), das Fest Mariae Lichtmess (2. Februar) und der Gedenktag des heiligen Blasius (3. Februar).
Vorbei ist die Zeit, in der Weihnachten bis Lichtmess gefeiert wurde; wenigstens die Krippe wurde erst nach Lichtmess abgeräumt. Ein Lichtfest ist Lichtmess, es wurde schon im vorchristlichen Rom mit einer Lichterprozession gefeiert. Diese Prozession wurde im christlichen Sinne umgedeutet als freudige Begrüssung des in den Tempel einziehenden Messias mit den Worten des greisen Simeon: „Ein Licht, das die Heiden erleuchtet, und Herrlichkeit für das Volk Israel.“
Den „Blasius-Segen“ habe ich noch aus meiner Kindheit in Erinnerung, und – ich stehe dazu – auch heute noch lasse ich mir alljährlich vom Priester gerne erteilen.
Aberglaube, Hokuspokus?
Der Segen geht auf Bischof Blasius zurück, der im 4. Jahrhundert lebte. Nach der Legende suchte ihn eine Frau auf, deren Kind einen Fischgrat verschluckt hatte und zu ersticken drohte. Blasius betete für den Jungen, und der wurde gerettet. Wie um Bischof Nikolaus ranken sich auch um das Leben des Bischofs Blasius - wegen ihrer Menschenfreundlichkeit - Legenden, die bis in unsere Zeit weiter erzählt werden.
Im Blasius-Segen selber wirkt Christus, der sich des Menschen annimmt. Das glaube ich. Als der den Segen Empfangende trete ich einzeln vor, erfahre und schätze die Zuwendung in der Bitte für meine Gesundheit und für mein seelisches wie körperliches Wohlergehen.
Wo ist denn hier der Aberglaube?