Gedanken zur Zeit im 
Juli
 
2009
 

Abtaucher und Auftaucher

Wenn es einem Menschen schlecht geht, dann tauchen einige so genannte Freunde unter. Da kann es passieren, dass sonst kontaktfreudige Menschen es auf einmal eilig haben, wenn sie einen sehen oder im Coop rasch mal hinter Gestellen verschwinden. Man fragt sich, wovor diese Leute fliehen.

Andererseits tauchen mit Sicherheit auch Leute mit guten Ratschlägen auf. Der "beste" Rat ist wohl der, man müsse halt alles nehmen, wie es komme.

Oder: Eine Krise sei immer auch eine grosse Chance.

Oder: Der liebe Gott lade einem nicht mehr auf die Schultern, als man tragen könne; er gebe einem immer so viel Kraft, wie man brauche.

Oder noch schlimmer: Wer in der Krise stecke, müsse in gewisser Weise dankbar zu sein, weil ihm damit die Gelegenheit zu einem Reifeprozess geboten werde.

Soll das Trost sein? Hinter all den gut gemeinten frommen Ratschlägen, steckt im Grunde nichts als Unbeholfenheit. Man hat keine Lust, sich allzu intensiv mit den Schattenseiten des Lebens abzugeben, ein Abgang durch irgend eine religiöse Wohlfühlecke scheint die beste Lösung zu sein.

Eine Krise ist zunächst immer ein Tiefschlag des Schicksals, von dem man noch nicht weiss, ob man ihn überleben wird. Dabei tut es im Grunde nichts zur Sache, ob man von einer Krankheit hinterrücks überfallen wurde oder selber schuld ist an der misslichen Situation.

Soviel zu Untertauchern und Auftauchern.

Schwieriger ist es mit denen, die einem eilfertig von anderen erzählen, die auch in der Krise stecken, womöglich gar in derselben. Gar keine Hilfe sind die, welche einem erzählen, wie es einer Tante damals mit ihrer Krankheit ergangen ist. Und wie schrecklich dann das Ende war.

Zum Glück gibt es Menschen, die den Mut haben, sich in das Dunkel vorzuwagen und einen nicht im Stich lassen. Menschen, die Zuversicht ausstrahlen. Solche, die wissen, dass sich das Licht im Dunkel nicht mit ein paar Floskeln anknipsen lässt.

Menschen, die mit ein paar Worten - und sei es nur "Ich drück der de Tuume" - einen wissen lassen, dass sie bei einem sind, auch wenn sie nicht helfen können.

Nicht zu unterschätzen sind schriftliche Grüsse und gute Wünsche, kurz und bündig auf einer Karte - es darf auch eine Postkarte aus den Ferien sein - oder in einem Brieflein oder in einem ausführlichen Brief.

Meine nun verstorbene Annette, meine Kinder und ich haben in schweren Tagen viel solche Zuwendung erfahren, für die wir besonders dankbar sind.

Und: es sind nicht nur so genannte Gebildete und Studierte, die wissen, was Zuwendung heisst.