Gedanken zur Zeit im 
September
 
2010
 

Köpfe aller Art

Die Bundesrats-Ersatzwahlen sind vorbei. Was tut sich dann da jemand an, der sich für das Amt eines Bundesrates zur Verfügung stellt? Er muss sich vor allem viele Fragen gefallen lassen. Dumm und frech sind einige Fragesteller aus Presse und Parteien. Da wird von spannenden, emotionalen Wahlen geschwafelt, von Spielchen, die stattfinden, und gar von einer Nacht der langen Messer. Soll sich das einer mal real vorstellen.

Mir gibt das Zeug von umtriebigen Medienleuten genau so auf die Nerven wie der Umfrage-Papst von SSR Idée Suisse bei Abstimmungen.

Zeitweise scheint es, als ob es Sache der Presse wäre, Politik zu machen. Man tut so, als ob man alles wüsste und am besten könnte. Man stelle sich mal einen der Presse-Hasen im Bundesrat vor!

Eine unschöne Falle machen die zwei Parteipräsidenten, von denen der eine den andern als Lügner bezeichnet; daraus soll eine Gerichtssache werden. Die Frage ist: „Wo sind wir, wo?“

Aber was soll’s! Schaut man, wie Politik in unseren Nachbarländern gemacht wird, darf man wieder zufrieden sein. Mehr sogar, man darf sich manchmal auch der Wertschätzung, die unserem Land auch immer wieder entgegen gebracht wird, freuen.

Ein Beispiel:
Hauke Stars ist General-Manager der Hawlett Packard Schweiz; sie ist in der damaligen DDR aufgewachsen und hat in Magdeburg und in Amerika Computerwissenschaft studiert. Vor ihrem Wechsel in die Schweiz hat sie in den Niederlanden in gleicher Funktion gearbeitet. Auf die Frage, in welchen Ländern sie noch gerne tätig wäre, antwortete sie:

„Ich habe in Deutschland und in den Niederlanden gearbeitet. In der Schweiz gefällt es mir aber am besten; ich will in der Schweiz bleiben. Die solide und unaufgeregte Art der Schweizerinnen und Schweizer beeindruckt mich immer wieder. Wie die Schweiz in der Finanzkrise agiert hat, ist absolute Weltklasse. Hier möchte ich arbeiten und etwas beitragen.“

Schön, das zu lesen in einer Zeit, wo es zum guten Ton zu gehören scheint, vom hohen Ross herunter alles zu kritisieren, was von Bern oder Aarau kommt. Nichts ist einfacher, als auf hohem Niveau zu reklamieren und zu kritisieren und für keine Lösung verantwortlich zeichnen zu müssen. Und notorisch den Kopf den Kopf über Politik und Politiker zu schütteln, ist auch keine Grosstat.

„Aber es tut schliesslich jeder mit dem Kopf, was er kann.“
Diesen Spruch hat Bundesrat Moritz Leuenberger kürzlich in einer Parlamentsdebatte zu einem vor ihm sitzenden Nationalrat gesagt. Ich finde den Spruch zwar richtig, aber nicht hilfreich.

Lob und Anerkennung tun jedem Menschen gut. Bei der Erziehung der Kinder sind die Worte der Wertschätzung die wichtigsten; sie klingen oft nach im Erwachsenenalter ein Leben lang in den Ohren nach. Ich bin überzeugt, dass Lob und Anerkennung – und nicht nur immer aus der eigenen Partei kommend – bei politisch engagierten Frauen und Männern wie Balsam wirken würden.

Das ist mein Glaube, das ist meine Wahrheit.